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Strom wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung (2026)

Sonderkündigungsrecht, Bonus-Fallen, Preisgarantie und die erste Rechnung — die komplette Anleitung für einen sicheren Wechsel ohne Stromausfall.

Redaktion VertragSparVeröffentlicht am 15. Juni 202612 Min.

Bevor Sie starten: diese Angaben brauchen Sie

Ein Wechsel scheitert fast nie am Preis — sondern an falschen Angaben. Legen Sie sich vor dem Vergleich Ihre letzte Jahresabrechnung bereit. Darauf finden Sie alles Wichtige: Postleitzahl, Jahresverbrauch in kWh, den aktuellen Anbieter, das Vertragsende und die Kündigungsfrist.

Zwei Nummern werden oft verwechselt: Die Zählernummer steht direkt auf Ihrem Stromzähler und auf der Rechnung. Die Marktlokations-ID (MaLo-ID, 11-stellig) identifiziert Ihren Anschluss eindeutig — manche Anbieter fragen sie ab, sie steht ebenfalls auf der Abrechnung. Mit diesen Daten kann der neue Versorger den Wechsel vollständig für Sie abwickeln.

Schätzen Sie den Verbrauch ehrlich. Wer zu niedrig angibt, bekommt einen scheinbar günstigen Tarif, zahlt aber am Jahresende kräftig nach. Als grobe Orientierung: 1 Person rund 1.500 kWh, 2 Personen rund 2.500 kWh, 4 Personen rund 4.000 kWh — mit Warmwasser über Strom, Wärmepumpe oder E-Auto deutlich mehr.

Der wichtigste Hebel: das Sonderkündigungsrecht

Sie müssen nicht warten, bis Ihr Vertrag ausläuft. Erhöht Ihr Anbieter den Preis, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können zum Wirksamwerden der Erhöhung kündigen — unabhängig von der eigentlichen Laufzeit. Die Ankündigung kommt per Brief oder E-Mail; reagieren Sie zügig, meist innerhalb weniger Wochen.

In der Grundversorgung (der Standardtarif, in dem Sie automatisch landen, wenn Sie nie aktiv gewählt haben) gilt eine gesetzliche Kündigungsfrist von nur zwei Wochen. Die Grundversorgung ist fast immer der teuerste Tarif — hier lohnt der Wechsel am meisten und am schnellsten.

Auch bei einem Umzug greift ein Sonderkündigungsrecht: Zieht Ihr alter Tarif nicht mit um oder wird am neuen Wohnort teurer, dürfen Sie kündigen, selbst wenn die Laufzeit noch läuft.

Tarif richtig lesen: Bonus, Preisgarantie, Laufzeit

Der erste Platz im Vergleich ist oft ein Lockangebot. Der niedrige Jahrespreis entsteht häufig erst durch einen einmaligen Neukunden- oder Sofortbonus. Prüfen Sie: Wird der Bonus sofort verrechnet oder erst nach 12 Monaten ausgezahlt? Und wie hoch ist der Preis im zweiten Jahr ohne Bonus?

Achten Sie auf die Preisgarantie. Eine eingeschränkte Preisgarantie sichert nur den reinen Energiepreis — Steuern, Abgaben und Netzentgelte können sich trotzdem ändern. Das ist für die meisten Haushalte völlig ausreichend; eine „Komplettpreisgarantie“ kostet oft Aufpreis.

Wählen Sie die Laufzeit bewusst. Üblich ist eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten. Gut zu wissen: Seit 2022 dürfen sich Verträge danach nicht mehr automatisch um ein ganzes Jahr verlängern — nach der Mindestlaufzeit sind sie monatlich mit einem Monat Frist kündbar. Achten Sie daher vor allem auf eine faire Preisgarantie und einen moderaten Folgepreis.

Der Wechsel läuft fast von allein

Haben Sie sich entschieden, schließen Sie online ab — und der neue Anbieter übernimmt den Rest: Er kündigt Ihren alten Vertrag und meldet sich beim Netzbetreiber an. Sie selbst müssen in der Regel nichts kündigen.

Wichtig zu wissen: Ihr Strom wird niemals abgestellt. Die physische Versorgung läuft über den lokalen Netzbetreiber und ist gesetzlich abgesichert — Sie wechseln nur den Vertragspartner, nicht die Leitung. Selbst wenn etwas schiefginge, fielen Sie automatisch zurück in die Grundversorgung.

Der Wechsel dauert meist nur wenige Wochen. Sie erhalten eine Bestätigung mit dem genauen Startdatum. Lesen Sie zu diesem Termin Ihren Zählerstand ab und fotografieren Sie ihn — das ist Ihr Beleg für die Schlussabrechnung des alten Anbieters.

Nach dem Wechsel: Abschlag und erste Rechnung

Der monatliche Abschlag ist eine Vorauszahlung auf Ihren erwarteten Jahresverbrauch. Ist er zu hoch angesetzt, geben Sie dem Anbieter ein zinsloses Darlehen; ist er zu niedrig, droht eine Nachzahlung. Passen Sie ihn an Ihren realen Verbrauch an — das geht meist mit einem Klick im Kundenkonto.

Prüfen Sie die Schlussrechnung des alten Anbieters: Stimmt der Zählerstand mit Ihrem Foto überein? Wurde ein eventuelles Guthaben erstattet? Bei Abweichungen schriftlich widersprechen.

Setzen Sie sich eine Erinnerung etwa zwei Monate vor Vertragsende. So vermeiden Sie die automatische Verlängerung zu schlechteren Konditionen und können rechtzeitig erneut vergleichen — denn der günstigste Tarif von heute ist selten der günstigste in einem Jahr.

Praktische Tipps

  • Vergleichen Sie immer mit Ihrem echten Jahresverbrauch in kWh — nicht mit der Voreinstellung des Rechners.
  • Filtern Sie auf monatliche Zahlweise und „Bonus sofort verrechnet“, wenn Sie nicht ein Jahr auf die Auszahlung warten möchten.
  • Wählen Sie maximal 12 Monate Laufzeit und prüfen Sie, dass sich der Vertrag nur um einen Monat verlängert.
  • Speichern Sie das Startdatum und den Zählerstand am Wechseltag — ein Foto reicht als Beleg.
  • Setzen Sie sich eine Kalender-Erinnerung zwei Monate vor Vertragsende, um erneut zu vergleichen.

Häufige Fehler vermeiden

  • Nur auf den ersten Platz schauen: Der niedrige Preis gilt oft nur im ersten Jahr inklusive Bonus.
  • Verbrauch zu niedrig angeben — das führt am Jahresende zur Nachzahlung.
  • Den alten Vertrag selbst kündigen, obwohl der neue Anbieter das übernimmt — Doppelkündigung verursacht Chaos.
  • Den Zählerstand am Wechseltag nicht festhalten und später keinen Beleg gegen die Schlussrechnung haben.
  • Die automatische Verlängerung verpassen und unnötig lange den teuren Folgepreis zahlen.

Checkliste vor dem Vergleich

  • Letzte Jahresabrechnung mit kWh-Verbrauch und Postleitzahl griffbereit.
  • Vertragsende und Kündigungsfrist des aktuellen Tarifs notiert.
  • Zählernummer (und falls gefragt MaLo-ID) herausgesucht.
  • Bonus, Preisgarantie und Laufzeit des Wunschtarifs geprüft.
  • Zahlweise und Abschlagshöhe realistisch eingestellt.
  • Erinnerung für die nächste Wechselprüfung gesetzt.

Häufige Fragen

Wird mein Strom beim Wechsel abgestellt?

Nein. Die physische Versorgung läuft über den Netzbetreiber und ist gesetzlich abgesichert. Sie wechseln nur den Vertragspartner — es gibt keine Unterbrechung.

Muss ich meinen alten Vertrag selbst kündigen?

In der Regel nicht. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung. Nur bei einem Sonderkündigungsrecht oder in Einzelfällen kann eine eigene Kündigung sinnvoll sein.

Wie lange dauert der Wechsel?

Meist nur wenige Wochen. Sie erhalten eine Bestätigung mit dem genauen Startdatum des neuen Tarifs.

Was ist das Sonderkündigungsrecht?

Erhöht Ihr Anbieter den Preis, dürfen Sie zum Wirksamwerden der Erhöhung kündigen — unabhängig von der vereinbarten Laufzeit.

Lohnt sich ein Wechsel jedes Jahr?

Oft ja. Boni gelten meist nur für Neukunden, und die Grundversorgung ist teuer. Ein jährlicher Vergleich hält Ihre Kosten niedrig.

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